Daten, Daten, Daten – ein Problem in Schule

Die Beitragsparade der @Bildungspunks für den Monat Juli lädt zum Nachdenken über Fragen des Umgangs mit Daten ein. Datenschutz, Datensicherheit, Datenspeicherung sind Reizwörter in der Bildung. Lösungen für den Umgang mit Daten werden gefordert, aber kaum umfassend gefunden.

Daten sollen Kommunikation, Kollaboration und auch Kreativität fördern. Welche Erwartungen haben LehrerInnen, SchülerInnen und Eltern dahingehend? Ich habe versucht, die Wünsche und Bedenken aufzulisten, die mir in Gesprächen mit KollegenInnen, aber auch SchülerInnen und Eltern immer wieder begegnet sind.

Die verschiedenen Punkte sind im folgenden SlideWiki (CC BY SA)  zusammengefasst. Ich würde mich über Ergänzungen, Erweiterungen und natürlich auch Lösungsvorschläge freuen.

SlideWiki 

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Workshop zur digitalen Bildung in Sachsen-Anhalt 13.Juni 2017

Lernraum

Die Ankündigung klang vielversprechend: Workshop – Schule in der digitalen Welt – IST-Stand und Perspektiven in Sachsen-Anhalt

Der Ablaufplan machte mich schon stutzig. 2,5 Stunden Vorträge, nicht mal 2 Stunden für einen Workshop. Es gab 6 thematische Angebote, aus denen man nur eines wählen konnte.

Wenn auch der erste Vortrag von Prof. Dr. Stefan Iske über „Schulische Bildung vor den Herausforderungen einer digitalen Welt“ die Anreise lohnte und auch sogar ein kurzer Austausch möglich war, so waren die anderen Veranstaltungen Beispiele dafür, wie Bildung gerade nicht mehr ablaufen sollte – frontal, keine Einbeziehung der Lernenden, kaum Austausch.

Freiräume, Entfaltungsspielräume und Kreativität – Möglichkeiten, die digitale Bildung eröffnen kann. Prof. Dr. Stefan Iske zeigte einen weiteren wichtigen Aspekt in der digitalen Bildung auf – Tentativität. Die Begegnung mit Neuem und das Verständnis dafür sollte nicht nur stattfinden, indem man das Neue nach bekannten Strukturen untersucht und kategorisiert. Dann reduziert man Neues auf Bekanntes. Vielmehr ist ein komplexeres Herangehen notwendig. Ein Suchen, Untersuchen, Testen, um neues Wissen zu verstehen. Die neue Sicht ist eine relative, vorläufige. Denn nicht die Regeln kategorisieren das neue Wissen, sondern umgekehrt stellen die neuen Erkenntnisse Regeln und Kategorien in Frage und führen zu einer Überarbeitung und Anpassung der alten Regeln. Transformationsprozess im richtigen Sinne und wie er sich jetzt mit digitalen Mitteln auch gut umsetzen und unterstützen ließe. Aber das alles ist eben nicht IST-Stand, wie es im Workshop-Titel hieß. Es ist Perspektive, die man mutig umsetzen muss.

Auf Schule und Bildung angewandt, würde dies ein Umdenken und eine Umstrukturierung notwendig machen. Bis jetzt wird aber im erstgenannten Sinne alles in althergebrachte preußische Strukturen des 19. Jahrhunderts gepresst. Von Prof. Dr. Paul Bartsch kamen auch eher zurückhaltende Töne. Ausgangspunkt seiner Betrachtungen zu „Medienbildung mit System“ war die Beschreibung der heutigen Gesellschaft als Individualisierungs- und Risikogesellschaft mit immer stärker werdenden Beschleunigung und verstärktem Druck auf den Einzelnen. Medienbildung müsse dann, von ihm zuerst genannt, die Funktion von Bewahren einnehmen – Schüler*innen vor Schaden bewahren und Werte und Normen erhalten. Aus der KMK-Strategie wurden im Anschluss Vorschläge für das Handeln abgeleitet und neben Veränderungen im Bereich Organisation, Technologie und Unterricht forderte Prof. Dr. Paul Bartsch, dass digitale Bildung auch stärker Beachtung in der Lehrerbildung finden muss. Auf OER, 4K-Modell oder SAMR wurde nicht eingegangen.

Die Vorträge waren informativ und wären sicher eine gute Diskussionsgrundlage gewesen. Allerdings wurde diese Chance vergeben. Ein Barcamp-Format hätte hier wirklichen Austausch ermöglicht. Und über mehrere Slots hätten die Teilnehmer auch zu verschiedenen Themen arbeiten können. So waren feste Themen und Abläufe vorgegeben. Ich habe den Workshop zur Lernplattform Moodle besucht. Schulpraktische Erfahrungen wurden angekündigt, waren aber letztendlich selten. Hier hätte ich wirklich gern mit der Plattform gearbeitet, um mich über Handhabbarkeit und Leistungen zu informieren. Aber zu einem wirklichen Austausch kam es nicht. Es wäre hilfreich gewesen, wenn man Lehrer*innen hätte gewinnen könnte, die aus ihren eigenen Erfahrungen beim täglichen Einsatz berichten. So aber fand ich die Vorstellung wenig überzeugend. Ich werde wohl bei meinem selbstgewählten lehrerbasierten Lernmanagementsystem bleiben.

Außerdem ärgere ich mich, dass ich andere Themen verpasst habe – vielleicht sind da ja echte Diskussionen zustande gekommen. Da es aber keine Protokolle (wie beim Barcamp) gibt und auch die digitale Vernetzung eigentlich nicht vorhanden ist, war es eine Veranstaltung wie schon viele vorher: teils gut, teils weniger, einmalig, ohne Resonanz und Feedback.

Schule in der digitalen Welt – um ein Bild aufzunehmen, das am Beginn der Veranstaltung gebraucht wurde: Lokomotive in der digitalen Bildung – wahrscheinlich haben wir Verspätung.

Fazit:

Barcamp ist DAS beste Fortbildungsformat. Austausch und Vernetzung stehen im Mittelpunkt. Es geht ums Miteinander – Diskussionen werden geführt, Hilfe angeboten, Materialien geteilt, Verbindungen etablieren sich und führen oft zu gemeinsamen Projekten und am Ende kann jeder auch in den etherpads nachlesen, was er verpasst hat.

 

 

Lehrer(fort)bildung – Kritik und Wunsch

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Wir haben das 21. Jahrhundert – Zeitalter von Industrie 4.0 und Digitalisierung. Bildung im 21. Jahrundert kann sich dieser Entwicklung nicht verschließen. Vor dem Hintergrund, dass wir als Lehrkräfte Kinder und Jugendlichen fit für eine Zukunft machen sollen und wollen, die wir selbst kaum abschätzen können, müssen gerade wir an den aktuellen Trends dranbleiben. Deshalb hat die Lehrerbildung – angefangen von der Ausbildung bis zur Fort- und Weiterbildung – größten Stellenwert. Lifelong Learning ist nicht umsonst ein Schlagwort unserer Zeit.

Inhalte von Lehrer(fort)bildung

müssen also immer auf dem neuesten Stand sein. Interesse der Lehrkräfte ist selbstverständlich. Schaut man sich aber die Angebote an, sind gute, innovative Veranstaltungen rar. Eine fachlich fundierte Ausbildung vorausgesetzt, wünschen sich die meisten Kollegen Hilfe und Unterstützung in ganz konkreten Fragen zu Unterrichtsplanung und -methoden, Austausch mit Fachkollegen über Abläufe, Organisation und Bewertung. Außerdem werden auch in breiterer Front die Fragen zur digitalen Bildung lauter: technische Möglichkeiten, Umgang mit speziellen Programmen und Apps, Datenschutzregelungen… Gerade in diesem letztgenannten Bereich besteht ein großer Nachholebedarf bzw. dringender Handlungsbedarf. Wer digitale Bildung (ich benutze den Begriff trotz der vielen Diskussionen) in Schule bringen will, muss bei der Lehrer(fort)bildung beginnen. Viele KollegInnen werden nichts wirklich umsetzen, wenn sie selbst nicht wissen wie. Erst wenn Tools, Apps, Programme, Abläufe wirklich vom Lehrer genutzt werden, kann er sie auch lehren. Hinzu kommt, dass jeder Lehrer eigene Ansprüche und eineneigenen Bedarf der Fortbildung hat. Digtale Hilfsmittel können hier Mittel zu Individualisierung sein, Tempo, Zeit und Inhalte können selbst bestimmt werden.

Organisation von Lehrer(fort)bildung

Hier liegt meines Erachtens nach großes Potential, wenn Bildungspolitik die digitalen Möglichkeiten zulässt und nutzt. Zuallererst muss aber auch die Fortbildungsbereitschaft der Kollegen eingefordert werden. Ich denke, dass eine verpflichtende Anzahl von Fortbildungsveranstaltungen wichtig ist. Im Moment wird dies bei uns nicht verlangt. Förderalen Strukturen sind in dieser Hinsicht auch hinderlich. Ich wünsche mir, dass egal, wo und welche Fortbildung ich besuche, die Teilnahmebestätigung im eigenen Bundesland anerkannt werden wird. Wenn man sich die Organisation der Fortbildung in meinem Bundesland anschaut, offenbart sich noch großes Potential. Die Angebote sind meist Frontalveranstaltungen, einmalige Seminare – stundenlang jemandem zuhören, kein Austausch, keine Zusammenarbeit. Das Feedback der Kollegen ist dementsprechend.

Wer schon einmal ein Barcamp oder educamp besucht hat, weiß, dass Fortbildung auch anders sein kann – interessant, anregend, viel Austausch, Ausprobieren, Learning by doing, kollaborativ. Dieses Potential sollte mehr als Fortbildungsformat im Bildungsbereich genutzt werden. Zumal es auch Vernetzungen schafft, die sich positiv auf die Schulkultur auswirken – gute Beispiele machen schneller die Runde und regen zur Nachahmung an. Fragen können gestellt, Ansprechpartner gefunden werden. Erkenntnisse aus Testphasen von neuen Tools oder Methoden erforden Austausch – nicht nur einmal im Rahmen eines Seminars, sondern gerade danach sind Kommunikation und Kollaboration entscheidend, um Entwicklungen im Schulalltag anzupassen und zu verankern. Voraussetzungen dafür ist ein engagiertes und aufgeschlossenes Organisationsteam auf Landes- und Schulebene.

Eine andere Möglichkeit für den schnellen Input „nebenbei“ sehe ich in Mikro-Fortbildungen von engagierten KollegInnen an den eigenen Schulen. Hier wird mal schnell eine App erklärt, neue Methoden erläutert – in der Mittagspause, Freistunde oder kurz nach dem Unterricht. Diese effektiven Kurztreffen sind super – Kollegen kennen sich, Probleme und schulinterne Abläufe sind bekannt. Nie ist man dichter am eigentlichen gewünschten und benötigten Fortbildungsbedarf der Kollegen.

Ob beim educamp oder in der Mikro-FoBi, meist sind es einzelne enthusiastische Kollegen, die das organisieren und durchführen. Hier ist stärkere Unterstützung und Anerkennung auf Landesebene gefordert. Die Fortbildung kann nicht privat von den Kollegen gestemmt werden. Es fehlen Anrechnungsstunden und auch die Freistellung der Kollegen, die die Veranstaltungen besuchen möchten. Meist werden Anträge zur Fortbildung nicht genehmigt – Stundenausfall ist die Begründung. Andererseits ist aber die Fortbildung der Kollegen unabdingbar und kann nicht nur am Wochenende stattfinden. Ansonsten wird sich in Bezug auf Bildung im 21. Jahrhundert nicht viel ändern und wir bleiben da, wo wir sind: Organisation aus dem 19. Jahrhundert, Materialien und Methoden aus dem 20. Jahrhundert. Da wird es schwer mit der Ausbildung einer Jugend, die fit gemacht werden soll für die Zukunft.

Vernetzungsbaum

Warum also nicht die Möglichkeiten nutzen, die uns unsere Zeit bietet und die auch alle im Privatleben selbstverständlich einsetzen? Für die Anforderungen an die Lehrer(fort)bildung gibt es viele digitale Wege und Tools – immer wieder neue, immer wieder weiterentwickelt.

 

 Anforderungen an Lehrer(fort)bildung

  • Fortbildung soll zum Handeln anregen
  • Austausch von Erfahrungen/Ergebnissen auch über das persönliche Treffen hinaus
  • Fortbildung als Reihe geplant, keine frontalen Einzelveranstaltungen
  • digitale Vernetzung der Teilnehmer, um Weiterarbeit zu ermöglichen
  • Behinderung der Fortbildung durch förderale Strukturen überwinden
  • Fortbildungen auf nationaler und internationaler Ebene unterstützen (Notwendigkeit durch Globalisierung gegeben)

digitale Wege und Tools zur Fortbildung und Vernetzung, die ich nutze

#EdTechLeipzig – Es tut sich was in der Region

 

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Freitag, 5. Mai 2017, Leipzig  – Thomas Haubner von tutory.de hatte zum 1. EdTech-Treffen geladen und viele Bildungsinteressierte kamen. Ich habe eine Menge von diesem Treffen mitgenommen – wichtig war mir vor allem, Leute aus der Gegend zu treffen, die an digitaler Bildung interessiert sind. Bis jezt hatte sich bei mir der Eindruck verstärkt, dass Mitteldeutschland noch den digtialen Dornröschenschlaf träumt. Aber es tut sich was!

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Nicht nur Lehrer hatten sich eingefunden, auch Studierende, Hochschullehrer, Startup Gründer, … – aus verschiedenen Bereichen also und mit dem Wunsch, sich zu vernetzen, Probleme zu diskutieren und Lösungen anzustoßen. Ein Konzept, das mir sehr gut gefällt – als Bildungspunk! 😉 Ein erster Schritt ist getan! Und der nächste geplant: nach den Sommerferien soll es ein Mini-Barcamp geben.

Schön zu sehen, dass sich auch hier in Mitteldeutschland in der Bidungslandschaft die digitale Entwicklung nicht aufhalten lässt. Ich freue mich dabei zu sein und hoffe auf Gelegenheiten zum Austausch. Gemeinsam lassen sich Probleme besser angehen, denn viele Köpfe haben auch viele Ideen. Vielleicht finden sich auch noch weitere Interessierte, die dazustoßen!

Wunderbarer Vortrag zur Medienintegration in Schulen:

Vortrag zur Schulischen Medienintegration jetzt verfügbar | ifib blog hier

Der Vortrag von Andreas Breiter zur „Digitalisierung der Schule – Medienintegration und ihre Organisationslücken“ zeigt sehr gut die vielen, wie Breiter so schön formuliert, Organisationsentwicklungsaufgaben im Bereich Bildung. Viel ist schon passiert, viele Lehrende sind motiviert, aber leider, wie so oft im Bildungswesen, sind das die oft zitierten Einzelkämpfer und Leuchttürme. Kooperation ist dringend angesagt, um die Lücken in der Organisation zu schließen, damit Medienintegration in Schule auch wirklich flächendeckend stattfinden kann.

Kooperation auf der kleinsten Ebene – unter den Kollegen. Hier muss sich das Teilen von Materialien, Konzepten und Ideen in einem Workflow etablieren, der diese Haltung der Zusammenarbeit selbstverständlich werden lässt. Umso leichter fällt dann der Schritt, auch über den Tellerrand der Schule zu schauen und auf nächster Ebene zu kooperieren. Schulen als Lerneinheiten sehen, die miteinander, sich gegenseitig bereichernd, arbeiten.

Kooperation muss sich aber durchziehen bis zum Bund – Länder – Verhältnis. Gerade hier ist noch eine Menge zu tun. Und hier wäre auch die Möglichkeit, Strukturen zu ermöglichen und zu initiieren – für die Zusammenarbeit, für das Teilen von Resourcen, für das Lernen, Testen, Anwenden und Verbreiten von best-practice-Beispielen, Beispielen, die auch wirklich einen Mehrwert für Unterricht bedeuten.

Und um das noch einmal klar zu formulieren: es geht um Integration von Medien, Umgang mit Medien. Das kann man nicht nur in der Theorie erlernen. Das bedeutet Anwendung und Umgang mit Medien – im Unterricht. Für Schüler muss es möglich sein, das Medium für ihren Arbeitsprozess zu wählen, das ihnen persönlich am geeignetsten erscheint. Und diese Auswahl muss selbstverständlicher Bestandteil ihres Arbeitsprozesses werden, da muss es keine Frage nach Erlaubnis geben müssen, ob Bleistift, Füller oder Smartpen, ob Heft, Tablet oder Laptop benutzt werden darf. Aber die technischen/digitalen Voraussetzungen müssen gestellt werden. Auswahl muss erstmal möglich sein – und da sind sie wiederdie Organisationsentwicklungsaufgaben.

Lücken in diesen Organisationsfeldern zu schließen ist Grundvoraussaetzung für eine gelingende Medienintegration in Schule. Einfache Lösungsvorschläge gibt es auch – zum Beispiel: Einführung eines Faches Pflichtinformatik. Aber: „Informatik ist keine Medienkunde.“ (einer von vielen genialen Sätzen Breiters im Vortrag)

Einfach reinhören, sich inspirieren und motivieren lassen. Und dann ganz wichtig: andere anstecken. 😉