Literarisches Raumkonzept im Klassenraum – realistisch gesehen

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Die Beitragsparade der @bildungspunks läuft diesen Monat zum Thema Neue Raumkenzepte für KlassenzimmerUntersuchung von Räumen in literarischen Werken ist mir als Deutschlehrer vertraut. Aber ehrlich, über die Räume, in denen mein Unterricht stattfindet, müsste ich mir viel mehr Gedanken machen – und dann zur Tat schreiten, denn die Räume schreien nach Veränderung.

Aber erstmal zur Analyse:

Vorbetrachtung

Räume und ihre Wirkung sind wichtig, oft unterschätzt und vernachlässigt. Meist werden ihre Ausstattung und Anordnung als gegeben hingenommen. Aber Räume erfüllen immer bestimmte Funktionen. In der Literatur unterscheiden wir

  • Handlungsraum = Bedingungunsrahmen für die Handlung der Personen
  • Lebensraum = Raum, in dem sich die Figuren bewegen, der sie – positiv oder negativ – prägt
  • Gedankenraum = Raum, der durch Wünsche, Träume oder Illusionen – also durch Kreativität – entsteht
  • Stimmungsraum = Raum, der die Handlung tragende Stimmung verkörpert
  • Kontrastraum = Raum, der in einen inhaltlich und assoziativen Kontrast zu einem anderen Raum verkörpert
  • Symbolraum = Raum mit symbolischer Bedeutung

Auch wenn man diese Unterscheidung trifft, so ist es doch immer – in der Literatur und im realen Leben, also im Schulalltag – ein Zusammenspiel mehrer Komponenten.

Schrifsteller verlegen ihre Handlungen an bestimmte Orte, kreieren besondere Räume. Ein Raum erfüllt bestimmte Funktionen und wirkt auch auf die Personen und Handlungen. Somit wäre eine Beeinflussung der im Raum agierenden Personen nur logische Konsequenz und auch für Schule und Lehrer nutzbar –  ja, nicht nur nutzbar, sondern müsste genutzt werden.

Ausgangssituation

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Der jeweilige Klassenraum ist mein Handlungsraum – für die Schüler und mich. Er schafft uns die Arbeitsrahmenbedingungen, wird so zum Lebens- und Stimmungsraum. Bei mir sieht das so aus:

  • Größe: für meineArbeitsweise selten ausreichend und flexibel genug
  • Sitzordnung: vorgegeben, starr, würde ich oft ändern wollen, aber da wir alle (LuS) wechseln, sind die Kolleg*innen nicht begeistert
  • technische Ausstattung: Kreidetafel, in einigen Räumen Beamer, 1 Whiteboard in der Schule, WLAN für Lehrer nur in einem Gebäude, aber nicht flächendeckend, TV (älteste Generation ;)), Steckdosen und Verlängerungskabel sind Mangelware

An der Aufzählung merkt man schon meine Unzufriedenheit. Wenn man bedenkt, dass der jeweilige Klassenraum eine sehr lange Zeit Lebensraum für die Schüler und mich ist, muss sich was ändern, damit wir dieser negativen Beeinflussung entgegenwirken. 

Was ich mir wünsche:

Abgeleitet von der Ausgangssituation sind meine Wünsche klar und einfach:

  • einen ausreichend großen Raum, am besten mit 2 kleinen Räumen als Ausweich für Gruppenarbeitsphasen
  • flexible Stühle und Tische (kombinierbar in verschieden großen Settings) für Einzel-, Partner – und Gruppenarbeitsphasen
  • fest installierter Beamer (am besten mit AppleTV) und dazugehörige Projektionsfläche
  • ausreichend Steckdosen 😉
  • Pinnwand, Magnetfäche, Regale – also Gelegenheiten, um Schülerarbeiten und -materialien zu verstauen
  • eine Schulbibliothek, die immer zugänglich und auch kompetent besetzt ist – für Recherchearbeiten 
  • WLAN für Lehrer und Schüler

Realisierbarkeit:

Realisierbar wäre das, wenn ich einen Raum für mich hätte – wenn also Lehrerraumprinzip herrschen würde. Im Moment habe ich aber keine Möglichkeiten, etwas zu ändern. Ich bin als Lehrer ständig „auf der Flucht“. Ich wechsle die Räume (und eventuell auch Gebäude) – jede Stunde bzw. Doppelstunde. In den Pausen versuche ich dann auf die Schnelle technische Gerätschaften zu organisieren und vor allem, die veralteten Geräte auch zum Laufen zu bekommen. Wie nervig und oft genug auch erfolglos das sein kann, beschreibt Lotta im Ref sehr gut in ihrem Blogartikel Kapitulation.

Wie ich schon sagte, liegt für mich die Lösung des Raumkonzepts im Lehrerraumprinzip – zumindest am Gymnasium. Durch die Zuordnung und die Verantwortung für einen Raum, kann ich als Lehrer Materialien, Strukturen, Arbeitsabläufe und technische Geräte so organisieren, dass sie im Lehr- und Lernprozess unterstützend und hilfreich sind. Ich kann vorausschauend planen und vorbereiten und ermögliche so meinen Schüler*innen einen optimalen Arbeitsablauf. Es enstünde ein angenehmer, entspannter Worflow, der allen zu Gute käme.

Lernraum

Weiter gedacht:

Aber eigentlich beschreibe ich damit nur eine Lösung für Raum- und Organisationsprobleme im alten (analogen) Bildungssystem. Verlangt nicht die digitale Bildung (ich weiß, dass der Terminus umstritten ist) aber nach einer neuen Struktur von Unterricht und den entsprechenden Räumen? Wenn ich Kreativität, Kollaboration, Kommunikation und kritisches Denken als Unterrichtsprozesse etablieren will, kann ich Schüler*innen keine Sitzordnung für Frontalunterricht anbieten. Dann muss ich aber auch die Struktur von festen Klassen und Fächern in Frage stellen. Und damit bekommt die Raumkonzeption eine neue Dimension. Das würde allerdings die eigentliche Fragestellung sprengen – denn Klassenzimmer gäbe es nicht. – Eine, wie ich finde, schöne Vorstellung. Ideen und auch Schulen, die diese Konzeption umsetzen, existieren bereits. Einiges kann man im Beitrag Der Klassenraum als dritter Erzieher von Christiane Schicke nachlesen und anschauen. Ein schönes Konzept ist auch das der fraktalen SchuleIm Artikel ist nachzulesen, wie ein Umbau und der Übergang zu einer neuen Raumkonzeption gestaltet werden kann. 

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Vortrag: Trends und Perspektiven der Lern- und Weiterbildungsmöglichkeiten in einer digitalisierten Welt (Slides)

Toller Artikel! Danke an Sandra Schön.

Sandra Schön

Die Folien zu meinem Impulsvortrag zu (ausgewählten) Trends und Perspektiven der Lern- und Weiterbildungsmöglichkeiten in einer digitalisierten Welt heute in St. Pölten:

  • Sandra Schön (2017). Trends und Perspektiven der Lern- und Weiterbildungsmöglichkeiten in einer digitalisierten Welt. Impulsvortrag auf dem Überregionales Vernetzungstreffen Bildungsberatung Österreich, Total Digital. Bildungsberatung in einer digitalisierten Welt,  13. Juni 2017 Bildungshaus St. Hippolyt, St. Pölten

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Be a smart teacher – start your Twitter account now!

#BayernEDU

Selten hat ein digitales Gemeinschaftsprojekt so eingeschlagen wie der „Twitterspickzettel“ für Lehrende, den die #Edupnx, #BayernEdu and friends (aka „Twitter Edu“) in den letzten Tagen miteinander erstellt haben. Er soll dazu dienen, dass sich noch viele weitere Kollegen, die bisher skeptisch waren oder nicht genau wussten, wozu Twitter gut sein soll, mit uns vernetzen, um die Digitale Bildung voranzubringen.

Wer mehr über die Entstehungsgeschichte erfahren möchte, der kann unter dem angegebenen Link auf dem Blog der Bildungspunks die ganze Geschichte nachlesen.

Zum Herunterladen und Austeilen im Lehrerzimmer gibt es hier die Sketchnote (weltklasse von Marc Albrecht-Hermanns gezeichnet💪🏻) als pdf-Datei: „Twitterspickzettel“

Habt ihr den Zettel schon verwendet oder ihn erhalten und daraufhin euren Account erstellt? Wir freuen uns auf eure Erfahrungen!

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Blogparade: BYRD ersetzt BYOD

Guter Vorschlag!

Pisaversteher

„Bring your own device“ kann man verbessern

Denn das allseits beliebte Akronym BYOD für „Bring Dein eigenes Gerät mit“ steht in Wahrheit für ein elternfinanziertes Modell – und es ist verbesserungswürdig. Das sagt Martin Rist und schlägt ein neues Leih- und Leasingmodell vor, damit möglichst viele und möglichst gute Endgeräte in Digitalklassen für Kinder zur Verfügung stehen. Martin Rist nimmt an der Blogparade zu den Wanka-Milliarden teil.

Rist findet es wichtig, dass es endlich losgeht in Deutschland mit der Digitalisierung der Schulen. Dazu ist die Bereitstellung von fünf Milliarden Euro der richtige Schritt. Und er findet den lokalen Ansatz von Bundesbildungsministerin Johanna Wanka gut, den sie am Mittwoch vorstellen will. Dennoch, so schreibt er, reichen die fünf Milliarden Euro allenfalls für eine Initialzündung aus.

Wir reden über ein 1:1-Szenario. Jeder Schüler soll ein Gerät bekommen. Und das können diese fünf Milliarden nicht finanzieren.

Rist zitierte eine unveröffentlichte Studie aus einem…

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Digitalisierung – Wo bleibt der Mensch!?!

Digitale Bildung braucht entsprechende Ausstattung und Wartung. Einfache Rechnung – leicht nachzuvollziehen. Hoffentlich ändert sich bald mal was!

#BayernEDU

Wir alle sprechen vom Einsatz digitaler Medien im Unterricht. Lernen und Lehren soll immer mehr digital werden. Diskutiert wird über den Einsatz von Tablets, Leasing-Modelle, BYOD, usw. Ich ertappe mich immer wieder zu diesem Thema die gleichen Fragen zu stellen.

  1. Wer – bitte schön – soll die Wartung und die Pflege der Geräte übernehmen?
  2. Können wir den Kindern und Eltern die Pflege der Geräte, die sie im Unterricht verwenden,  überlassen – auch wenn sie deren Eigentum sind? SInd wir hier nicht auch irgendwie in der Pflicht?
  3. Welche Kompetenzen brauchen wir als Lehrer in diesem Fall?
  4. Kann eine Person (wie immer der Systembetreuer) das überhaupt schaffen?

Welche Lawine schiebt sich denn da auf uns zu? Gedankenspiele, die nicht soweit weg sind.

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#BayernEdu – wer sind wir, was wollen wir, wozu gibt es das?

Ich kann nur wiederholte: Vernetzung, Vernetzung, Vernetzung! 👍

#BayernEDU

Von einer Idee bis zur Realisierung dauert es normalerweise in Deutschland etwas länger – die neverending Bauarbeiten am Berliner Flughafen dienen hierfür als gutes Beispiel.

Wie schnell sich im Zeitalter der Digitalisierung Ideen verbreiten und eine gewisse Eigendynamik erreichen, konnte man in den letzten Wochen gut „auf Twitter“ beobachten. Von Ferdinand Stipberger ins Spiel gebracht, entwickelte sich rasch der Wunsch nach einem gemeinsamen Hashtag, der die Digitale Bildung auch aus bayerischer Perspektive beleuchtet will (die bisher, wenn man die Diskussionen auf den gängigen Plattformen so betrachtet, eher unterrepräsentiert war). Nach einer kurzen Etherpad-Umfrage war klar – #BayernEdu war geboren. Im Folgenden sollen Interessierten die Hintergründe dazu erläutert und explizit zum Mitmachen aufgerufen werden, denn eines ist sicher – #BayernEdu ist kein neuer #Edchatde und keine Regionaldigitalbildungsmeisterschaft.

Wer wir sind?

Das Gros unserer „Mitglieder“ besteht zunächst einmal aus den Beteiligten des derzeit laufenden Schulversuchs „Digitale Schule 2020“ (http://bildungspakt-bayern.de/digitale-schule-2020/). Gerade die beiden…

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Daten-Ablage – Bloß wo und wie?

 

 

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Dies ist ein Beitrag zur ersten Beitragsparade für die Bildungspunks.

Das Thema Daten spielt für alle Lehrer eine große Rolle – egal, ob im Regal und Papierstapel gesucht wird oder in einem digitalen Speichermedium. Datenschutz, Datenablage, Datensicherung, Teilen von Daten,… die Datenverwaltung sind entscheidende Kategorien, die jeden Lehrer beschäftigen.

Im Zeitalter fortschreitender digitaler Möglichkeiten stellt sich die Frage, wie sortiere ich meine Daten und wo lege ich sie sicher ab, immer wieder neu. Anforderungen ändern sich, Möglichkeiten eröffnen sich – egal, man ist eigentlich immer auf der Suche nach DER Lösung. Die Lösung schlechthin wird es aber nicht geben. Deshalb ist, wie ich finde, der Austausch über dieses Thema wichtig.

Im Folgenden möchte ich kurz vorstellen, wie ich vorgehe. Zuerst einmal die Ausgangsbedingungen:

An meiner Schule existiert kein flächendeckendes WLAN. Nur ein paar Räume sind erfasst, mehrere Gebäude gar nicht. Für SchülerInnen herrscht Handyverbot, ein Lernmanagement existiert nicht. Es stehen 28 Laptops für die Schüler zur Verfügung, die aber nicht optimal gewartet werden und so nicht immer voll einsatzbereit sind – also kein verlässliches Arbeitsmittel darstellen. Die KollegInnen sind untereinander kaum vernetzt.

Wenn ich also Datenablage betreibe, dann eher für mich als Ordnungsprinzip. Um aber trotzdem den SchülerInnen einen gewissen Umgang mit digitalen Medien zu ermöglichen, habe ich mich für ein persönliches Lernmanagementsystem entschieden – cloudschool. Hier kann ich meine Material und Aufgabenstellungen geordnet nach Fächern und Klassenstufen oder auch projektbezogen ablegen – nicht nur für die Schüler, sondern auch für mich. Eine Kollegin ist neugierig geworden und schaut immer mal auf cloudschool bei mir vorbei, insofern ist also auch ein Teilen der Materialien und Ideen möglich. Mir gefällt das System von cloudschool sehr gut – einfache, übersichtliche Struktur, intuitive Handhabung.

Daten sammeln, ordnen, suchen und  – vor allem finden: dafür ist bei mir evernote zuständig. Ich liebe das Tag-System. Durch die Schlagwörter finde ich sofort, was ich suche. Auch das Einsortieren in Notizbücher und deren Stapelbildung bleiben einfach und überschaubar. Allerdings gibt es da auch, trotz Premium-Account, Beschränkungen, darauf hat Monika Heusinger in ihrem Blogpost schon verwiesen. Also – wieder neu nachdenken!

Materialien mit SchülerInnen teilen hält sich bei mir auf Grund der oben beschriebenen Situation in Grenzen. Wenn nötig, können meine SchülerInnen über cloudschool auf die Sachen zugreifen. Dort finden sie direkt in ihrer Klassestufe und ihrem Fach die Arbeitsanweisungen, Bilder, Links zu Prezis oder Google Docs, Learning Snacks oder Quizlet. Auch QR-Codes kann man integrieren. Personenbezogene Daten werden nicht über cloudschool von mir erfasst. Die SchülerInnen gehen über meinen Account in das System.

Desweiteren nutze ich Google Drive zum Teilen mit einigen wenigen Kollegen und Freunden, Dropbox eher weniger. Um den Workflow zu vereinfachen, gibt es sicher zahlreiche Tools. Aber nicht immer ist eine Vielzahl davon auch hilfreich. Einige Tools habe ich ausprobiert, aber die Nutzung ist mehr und mehr zurückgegangen. Dazu zählen: Pocket, Buffer, IFTTT, Workflow.

Für Daten, die ich für die Schülerverwaltung brauche (Noten, Anwesenheit, Bemerkungen), nutze ich Teachertool. Hat sich für mich schon seit einigen Jahren bewährt. Die erste Zeit habe ich auch doppelte Buchführung betrieben, aber mittlerweile läuft alles digital und ich sichere immer am Monatsende die Daten. Fazit: läuft.

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Allerdings möchte ich nicht auf meinen analogen Lehrerkalender verzichten – Termine merke ich mir besser, wenn ich sie aufschreibe, Zurufe von SchülerInnen und KolegInnen, sowie die gesamte Zettelwirtschaft, die an meiner Schule so anfällt, wandern hinein und werden später dann, wenn möglich und nötig, digitalisiert verschoben.

Alles in allem bin ich eigentlich immer unzufrieden und habe das Gefühl, es geht noch besser. Dieses Gefühl wird sicher auch noch so lange bestehen bleiben, wie sich mein digitaler Workflow noch mit dem analogen der Schulrealität überschneidet. Und ich hoffe auf einige neue Ideen, wie sich Strukturen und Workflow verbessern lassen. Im Moment landet fast alles auf Festplatten. Stellt sich die Frage, sind Cloud-Lösungen besser, sicherer? Sollte man sich doch ein NAS zulegen? Allerdings würde ich mir wünschen, dass ich mir da überhaupt keinen Kopf machen müsste und alles zentral über ein Bildungsmanagementsystem laufen würde. (Wunschdenken oder Zukunftsmusik?)