Workshop zur digitalen Bildung in Sachsen-Anhalt 13.Juni 2017

Lernraum

Die Ankündigung klang vielversprechend: Workshop – Schule in der digitalen Welt – IST-Stand und Perspektiven in Sachsen-Anhalt

Der Ablaufplan machte mich schon stutzig. 2,5 Stunden Vorträge, nicht mal 2 Stunden für einen Workshop. Es gab 6 thematische Angebote, aus denen man nur eines wählen konnte.

Wenn auch der erste Vortrag von Prof. Dr. Stefan Iske über „Schulische Bildung vor den Herausforderungen einer digitalen Welt“ die Anreise lohnte und auch sogar ein kurzer Austausch möglich war, so waren die anderen Veranstaltungen Beispiele dafür, wie Bildung gerade nicht mehr ablaufen sollte – frontal, keine Einbeziehung der Lernenden, kaum Austausch.

Freiräume, Entfaltungsspielräume und Kreativität – Möglichkeiten, die digitale Bildung eröffnen kann. Prof. Dr. Stefan Iske zeigte einen weiteren wichtigen Aspekt in der digitalen Bildung auf – Tentativität. Die Begegnung mit Neuem und das Verständnis dafür sollte nicht nur stattfinden, indem man das Neue nach bekannten Strukturen untersucht und kategorisiert. Dann reduziert man Neues auf Bekanntes. Vielmehr ist ein komplexeres Herangehen notwendig. Ein Suchen, Untersuchen, Testen, um neues Wissen zu verstehen. Die neue Sicht ist eine relative, vorläufige. Denn nicht die Regeln kategorisieren das neue Wissen, sondern umgekehrt stellen die neuen Erkenntnisse Regeln und Kategorien in Frage und führen zu einer Überarbeitung und Anpassung der alten Regeln. Transformationsprozess im richtigen Sinne und wie er sich jetzt mit digitalen Mitteln auch gut umsetzen und unterstützen ließe. Aber das alles ist eben nicht IST-Stand, wie es im Workshop-Titel hieß. Es ist Perspektive, die man mutig umsetzen muss.

Auf Schule und Bildung angewandt, würde dies ein Umdenken und eine Umstrukturierung notwendig machen. Bis jetzt wird aber im erstgenannten Sinne alles in althergebrachte preußische Strukturen des 19. Jahrhunderts gepresst. Von Prof. Dr. Paul Bartsch kamen auch eher zurückhaltende Töne. Ausgangspunkt seiner Betrachtungen zu „Medienbildung mit System“ war die Beschreibung der heutigen Gesellschaft als Individualisierungs- und Risikogesellschaft mit immer stärker werdenden Beschleunigung und verstärktem Druck auf den Einzelnen. Medienbildung müsse dann, von ihm zuerst genannt, die Funktion von Bewahren einnehmen – Schüler*innen vor Schaden bewahren und Werte und Normen erhalten. Aus der KMK-Strategie wurden im Anschluss Vorschläge für das Handeln abgeleitet und neben Veränderungen im Bereich Organisation, Technologie und Unterricht forderte Prof. Dr. Paul Bartsch, dass digitale Bildung auch stärker Beachtung in der Lehrerbildung finden muss. Auf OER, 4K-Modell oder SAMR wurde nicht eingegangen.

Die Vorträge waren informativ und wären sicher eine gute Diskussionsgrundlage gewesen. Allerdings wurde diese Chance vergeben. Ein Barcamp-Format hätte hier wirklichen Austausch ermöglicht. Und über mehrere Slots hätten die Teilnehmer auch zu verschiedenen Themen arbeiten können. So waren feste Themen und Abläufe vorgegeben. Ich habe den Workshop zur Lernplattform Moodle besucht. Schulpraktische Erfahrungen wurden angekündigt, waren aber letztendlich selten. Hier hätte ich wirklich gern mit der Plattform gearbeitet, um mich über Handhabbarkeit und Leistungen zu informieren. Aber zu einem wirklichen Austausch kam es nicht. Es wäre hilfreich gewesen, wenn man Lehrer*innen hätte gewinnen könnte, die aus ihren eigenen Erfahrungen beim täglichen Einsatz berichten. So aber fand ich die Vorstellung wenig überzeugend. Ich werde wohl bei meinem selbstgewählten lehrerbasierten Lernmanagementsystem bleiben.

Außerdem ärgere ich mich, dass ich andere Themen verpasst habe – vielleicht sind da ja echte Diskussionen zustande gekommen. Da es aber keine Protokolle (wie beim Barcamp) gibt und auch die digitale Vernetzung eigentlich nicht vorhanden ist, war es eine Veranstaltung wie schon viele vorher: teils gut, teils weniger, einmalig, ohne Resonanz und Feedback.

Schule in der digitalen Welt – um ein Bild aufzunehmen, das am Beginn der Veranstaltung gebraucht wurde: Lokomotive in der digitalen Bildung – wahrscheinlich haben wir Verspätung.

Fazit:

Barcamp ist DAS beste Fortbildungsformat. Austausch und Vernetzung stehen im Mittelpunkt. Es geht ums Miteinander – Diskussionen werden geführt, Hilfe angeboten, Materialien geteilt, Verbindungen etablieren sich und führen oft zu gemeinsamen Projekten und am Ende kann jeder auch in den etherpads nachlesen, was er verpasst hat.

 

 

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Digital geprägtes Arbeiten – aus egoistischen Gründen heraus

Gestern las ich Monika Heusingers Blogpost „Leben in einer digital geprägten Welt“, den sie für die Blogparade in Vorbereitung des SaarCamps geschrieben hat. Sie wirft darin die Frage auf: Was bedeutet digitale Transformation für unser Leben? Heute gab es auf Twitter eine Diskussion über genau diesen Prozess der Transformation in der Bildung. Viele Schulen befassen sich mit der Integration digitaler Medien, manche sind Vorreiter und andere wiederum versuchen es noch zu ignorieren. Frage, die viele beschäftigt, ist, wie beteiligt man die KollegInnen, wie überzeugt man sie, dass der Einsatz digitaler Medien ein Fortschritt im Prozess Bildung sein kann.

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Marc Seegers‚ Tweet zeigt die Verteilung in den Kollegien – von Protagonisten bis Antagonisten – in jedem Kollegium sind Vertreter des gesamten Spektrums zu finden. Wie nimmt man nun alle KollegInnen mit auf dem Weg der digitale Transfomation der Schule? Kann man das überhaupt? Hier ist Gespür gefragt:

Twitter 2

Sicher gibt es viele Ansatzpunkte, aber den einzelnen Kollegen gewinnt man nicht per Anordnung, überzeugt man nicht mit einem Beschluss. Am besten funktioniert immer noch das Beispiel – zeigen, was man macht, wie man es macht und was es für Vorteile bringt.

Und ganz ehrlich, warum ich angefangen habe, meine Arbeitsweise umzustellen und digital Medien zu nutzen, hatte einen ganz simplen, egoistischen Grund – weniger Arbeitsaufwand. Ich denke, dass das auch ein Argument ist, was den meisten KollegInnen selbst der Gruppen „konservativ“ und „skeptisch“ (s.o.) einleuchtet.

Im Laufe eines analogen Lehrerlebens häufen sich Tonnen von Papier an: Tests, Klausuren, Erwartungshorizonte, Materialien, Quellen, Elternbriefe, Informationzettel, Fachschaftsprotokolle, Fachkonferenzmitschriften, … Wer da den Überblick behalten will und auf Nachfrage sofort das richtige Blatt Papier findet, muss pedantisch organisiert sein.

Ich war’s nicht! Irgendwo hatte ich da mal was – und das Suchen ging los. Selbst wenn man wusste, in welchem Ordner das Pamphlet steckte, es musste gesucht werden – zu Hause. Gebraucht hätte man es aber sofort – zur Dienstberatung, Fachschaftssitzung oder in der Unterrichtsstunde oder Elternversammlung. Dieses Dilemma gehört endlich im digitalen Zeitalter der Vergangenheit an. Ein Notizprogramm wie z.B. Evernote mit einer ordentlichen Ordnungs- und Suchfunktion liefert heute auf Stichwort in Sekundenschnelle das entsprechende „Papier“. Erst belächeln die Kollegen die Affinität zu Smartphone oder Tablet und natürlich sind Sprüche wie “ Das habe ich aber schneller aufgeschrieben, als du das eingetippt hast“ vorauszusehen. Aber es dauert nicht lange, bis die ersten, die nach einer Info suchen, kommen und mal eine schnelle Auskunft möchten. Genauso klappt das auch mit der Integration digitaler Medien im Unterricht. Schüler sind motiviert, erstellen selbstständig Arbeitsblätter, arbeiten zusätzlich. Kollegen staunen, fragen nach und dann ist ganz schnell mal erklärt, wie Kahoot funktioniert oder LearningSnacks erstellt werde.

Erst wird der Aufwand beklagt, aber im Nachhinein sieht man die Vorteile der digitlen Medien als Lehrer für den eigenen Arbeitsprozess und für den Unterricht: schnell gefunden, immer wiederverwendbar, leicht abzuändern und anzupassen. Informationen sind immer zugriffsbereit. Das bedeutet also nach einer gewissen Phase der Einarbeitung eine wirkliche Zeitersparnis und Arbeitserleichterung. Nicht zu reden von dem didaktischen Mehrwert, der aber als Argument allein oft nicht überzeugend genug ist – leider. Glücklicherweise merken die KollegInnen dann selbst, wie der Einsatz digitaler Medien nicht nur ihren eigenen Arbeitsprozess verändert, sondern dass sie damit den Unterricht anders – effektiver, motivierender, personalisierter – gestalten.

Einen gewissen Druck kann natürlich auch von oben aufgebaut werden, in dem man konsequent von der Leitungsebene her digital kommuniziert. So werden sich KollegInnen gezwungernermaßen mit den Tools auseinandersetzen und ein digitaler Workflow entsteht, an den sich bestimmt jeder schnell gewöhnt. Die Hemmschwelle im Umgang mit digitalen Medien sinkt und das kollaborative Arbeiten kann sich im Kollegium etablieren. Ein Übertragen auf Unterrichtsprozesse ist so einfacher.

Den digitale Medien wird sich Schule nicht entziehen können. Der Transformationsprozess ist, wie so oft im Bereich Bildung, ein langsamer, aber stetiger!

 

 

 

 

Wunderbarer Vortrag zur Medienintegration in Schulen:

Vortrag zur Schulischen Medienintegration jetzt verfügbar | ifib blog hier

Der Vortrag von Andreas Breiter zur „Digitalisierung der Schule – Medienintegration und ihre Organisationslücken“ zeigt sehr gut die vielen, wie Breiter so schön formuliert, Organisationsentwicklungsaufgaben im Bereich Bildung. Viel ist schon passiert, viele Lehrende sind motiviert, aber leider, wie so oft im Bildungswesen, sind das die oft zitierten Einzelkämpfer und Leuchttürme. Kooperation ist dringend angesagt, um die Lücken in der Organisation zu schließen, damit Medienintegration in Schule auch wirklich flächendeckend stattfinden kann.

Kooperation auf der kleinsten Ebene – unter den Kollegen. Hier muss sich das Teilen von Materialien, Konzepten und Ideen in einem Workflow etablieren, der diese Haltung der Zusammenarbeit selbstverständlich werden lässt. Umso leichter fällt dann der Schritt, auch über den Tellerrand der Schule zu schauen und auf nächster Ebene zu kooperieren. Schulen als Lerneinheiten sehen, die miteinander, sich gegenseitig bereichernd, arbeiten.

Kooperation muss sich aber durchziehen bis zum Bund – Länder – Verhältnis. Gerade hier ist noch eine Menge zu tun. Und hier wäre auch die Möglichkeit, Strukturen zu ermöglichen und zu initiieren – für die Zusammenarbeit, für das Teilen von Resourcen, für das Lernen, Testen, Anwenden und Verbreiten von best-practice-Beispielen, Beispielen, die auch wirklich einen Mehrwert für Unterricht bedeuten.

Und um das noch einmal klar zu formulieren: es geht um Integration von Medien, Umgang mit Medien. Das kann man nicht nur in der Theorie erlernen. Das bedeutet Anwendung und Umgang mit Medien – im Unterricht. Für Schüler muss es möglich sein, das Medium für ihren Arbeitsprozess zu wählen, das ihnen persönlich am geeignetsten erscheint. Und diese Auswahl muss selbstverständlicher Bestandteil ihres Arbeitsprozesses werden, da muss es keine Frage nach Erlaubnis geben müssen, ob Bleistift, Füller oder Smartpen, ob Heft, Tablet oder Laptop benutzt werden darf. Aber die technischen/digitalen Voraussetzungen müssen gestellt werden. Auswahl muss erstmal möglich sein – und da sind sie wiederdie Organisationsentwicklungsaufgaben.

Lücken in diesen Organisationsfeldern zu schließen ist Grundvoraussaetzung für eine gelingende Medienintegration in Schule. Einfache Lösungsvorschläge gibt es auch – zum Beispiel: Einführung eines Faches Pflichtinformatik. Aber: „Informatik ist keine Medienkunde.“ (einer von vielen genialen Sätzen Breiters im Vortrag)

Einfach reinhören, sich inspirieren und motivieren lassen. Und dann ganz wichtig: andere anstecken. 😉

#EDchatDE – Buchprojekt

Das #EDchatDE-Buch ist da! „Digitale Medien für Unterricht, Lehrerjob und Schule – Die besten Ideen und Tipps aus dem Twitterchat #EDchatDE“

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André J. Spang und Torsten Larbig, die Gründer des #EDchatDE, haben sich entschlossen ausgewählte Themen, die in den über 3 Jahren des Bestehens des Twitterchats diskutiert wurden, in Buchform (siehe auch #EDchatDE – Das Buch) zu veröffentlichen. Die Ideen und best-practice-Beispiele der #EDchatDE-Community können so von noch mehr Lehrenden und Bildungsinteressierten gelesen und genutzt werden.

Hier möchte ich die von mit aufbereiteten Themen unter der LIzenz CC BY SA 4.0 weitergeben.

Die folgenden Darstellungen und Texte sind unter der Lizenz CC BY SA 4.0 veröffentlicht in

Digitale Medien im Unterricht, Lehrerjob und Schule | Die besten Ideen und Tipps aus dem Twitterchat #EDchatDE | Herausgegeben von Torsten Larbig und Andre Spang | Kartoniertes Buch, 328 Seiten, Cornelsen Verlag 2017 | ISBN DE978-3-589-15319-0, EUR 16,50 2017 cornelsen.de

Hier die von mir aufbereiteten Kaiptel zu folgenden Themen:

Brauchen wir in der Schule noch die Handschrift?  kapitel-2-2

Informationen beschaffen: Digitale Kanäle und Strategien kapitel-3-2

Lebenslanges Lernen kapitel-4-3

Sind Klassenstrukturen noch zeitgemäß? kapitel-4-4

Das Buch bildet eine Vielzahl von Themen ab, die in den wöchentlichen Chats diskutiert wurden. Es enthält eine Unmenge an Ideen, Tipps und Links und ich denke, es kann eine echte Bereicherung und Inspiration für Lehrende sein.

Viel Spaß  beim Lesen!

Schule als Kompass für eine komplexe Welt | Politik Digital

„Schüler, die nicht in der Lage sind, in der komplexen digitalen Landschaft zu navigieren, nehmen nicht mehr vollständig am wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen Leben um sie herum teil. Wir erwarten von Schulen, dass sie unsere Kinder zu kritischem Umgang mit dem Internet und der elektronischen Medien erziehen.“

 

 

http://politik-digital.de/news/schule-als-kompass-fuer-eine-komplexe-welt-151073/

TASK to ASK

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Teaching attitudes, skills and knowledge – that is our task as a teacher. It sounds simple but the easier it sounds the more complicated it is. Today I read an article with the title „A teacher is much more than a teacher“, published in a German newspaper for doctors.
We, the teachers, are psychologists, social workers and coaches. We can multitask and act as team players. We foster our students, each of them. We demand high achievements from all our students. And, and, and, …
So, of cause, we can go on and on and we will find always new tasks for teachers.
But what is really interesting about this article is not the list of tasks, it is the positive attitude and the hope for a change in teaching culture. The article talks about a new type of teacher – innovative and student-orientated.

I am glad to find such a position in a German article. By the way, there has been a change in assessing the educational profession, I think. But this shift is taking place in the heads of teachers, it is missed in political decisions to create a new school and education structure.
Schools, teachers and the whole educational process is reappraised. And that is important. The structure of educational systems is based on the ideas developed at the end of the 18th century. But we teach students nowadays for the future. So, why do we have such difficulties in adapting educational systems to new challenges. In every kind of industry we find necessities and possibilities of quick changes. If you don’t want to lose contact to world class products, inventions or ideas then you have to adapt your business to new circumstances and conditions. And at school? There our future generation is taught.

This leads me back to my headline.
Teaching
Attitude
Skills
Knowledge

Basis is knowledge, no question. It is a must-have, without basic knowledge no further development is possible. Then during further education the focus should turn more on skills and attitudes. Of course, none of these 3 components can be taught autonomously. It is always a combination. However, all 3 components together create literacy. Literacy is not possible without knowledge or skills or attitude.
Today we have knowledge only one click away from us. The Internet is everywhere and you can search for what you want or what you need. But how to handle this huge amount of knowledge in the wide spaces of the Internet? You need skills, special skills. And nothing works in the right way if you have not the right attitude. You have to know how to act, knowledge leads to action. And action always depends on attitudes.

Consequently, school must teach these components and the best way to impart knowledge is asking. Ask your students questions, lots of questions. Challenge their thinking, let find them new ways, support their creativity. Only if they think they learn thinking. Ask them and they will learn (knowledge), they will do (skills) and they will broaden up their horizon (attitudes).
The task is to ask.