Lehrer(fort)bildung – Kritik und Wunsch

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Wir haben das 21. Jahrhundert – Zeitalter von Industrie 4.0 und Digitalisierung. Bildung im 21. Jahrundert kann sich dieser Entwicklung nicht verschließen. Vor dem Hintergrund, dass wir als Lehrkräfte Kinder und Jugendlichen fit für eine Zukunft machen sollen und wollen, die wir selbst kaum abschätzen können, müssen gerade wir an den aktuellen Trends dranbleiben. Deshalb hat die Lehrerbildung – angefangen von der Ausbildung bis zur Fort- und Weiterbildung – größten Stellenwert. Lifelong Learning ist nicht umsonst ein Schlagwort unserer Zeit.

Inhalte von Lehrer(fort)bildung

müssen also immer auf dem neuesten Stand sein. Interesse der Lehrkräfte ist selbstverständlich. Schaut man sich aber die Angebote an, sind gute, innovative Veranstaltungen rar. Eine fachlich fundierte Ausbildung vorausgesetzt, wünschen sich die meisten Kollegen Hilfe und Unterstützung in ganz konkreten Fragen zu Unterrichtsplanung und -methoden, Austausch mit Fachkollegen über Abläufe, Organisation und Bewertung. Außerdem werden auch in breiterer Front die Fragen zur digitalen Bildung lauter: technische Möglichkeiten, Umgang mit speziellen Programmen und Apps, Datenschutzregelungen… Gerade in diesem letztgenannten Bereich besteht ein großer Nachholebedarf bzw. dringender Handlungsbedarf. Wer digitale Bildung (ich benutze den Begriff trotz der vielen Diskussionen) in Schule bringen will, muss bei der Lehrer(fort)bildung beginnen. Viele KollegInnen werden nichts wirklich umsetzen, wenn sie selbst nicht wissen wie. Erst wenn Tools, Apps, Programme, Abläufe wirklich vom Lehrer genutzt werden, kann er sie auch lehren. Hinzu kommt, dass jeder Lehrer eigene Ansprüche und eineneigenen Bedarf der Fortbildung hat. Digtale Hilfsmittel können hier Mittel zu Individualisierung sein, Tempo, Zeit und Inhalte können selbst bestimmt werden.

Organisation von Lehrer(fort)bildung

Hier liegt meines Erachtens nach großes Potential, wenn Bildungspolitik die digitalen Möglichkeiten zulässt und nutzt. Zuallererst muss aber auch die Fortbildungsbereitschaft der Kollegen eingefordert werden. Ich denke, dass eine verpflichtende Anzahl von Fortbildungsveranstaltungen wichtig ist. Im Moment wird dies bei uns nicht verlangt. Förderalen Strukturen sind in dieser Hinsicht auch hinderlich. Ich wünsche mir, dass egal, wo und welche Fortbildung ich besuche, die Teilnahmebestätigung im eigenen Bundesland anerkannt werden wird. Wenn man sich die Organisation der Fortbildung in meinem Bundesland anschaut, offenbart sich noch großes Potential. Die Angebote sind meist Frontalveranstaltungen, einmalige Seminare – stundenlang jemandem zuhören, kein Austausch, keine Zusammenarbeit. Das Feedback der Kollegen ist dementsprechend.

Wer schon einmal ein Barcamp oder educamp besucht hat, weiß, dass Fortbildung auch anders sein kann – interessant, anregend, viel Austausch, Ausprobieren, Learning by doing, kollaborativ. Dieses Potential sollte mehr als Fortbildungsformat im Bildungsbereich genutzt werden. Zumal es auch Vernetzungen schafft, die sich positiv auf die Schulkultur auswirken – gute Beispiele machen schneller die Runde und regen zur Nachahmung an. Fragen können gestellt, Ansprechpartner gefunden werden. Erkenntnisse aus Testphasen von neuen Tools oder Methoden erforden Austausch – nicht nur einmal im Rahmen eines Seminars, sondern gerade danach sind Kommunikation und Kollaboration entscheidend, um Entwicklungen im Schulalltag anzupassen und zu verankern. Voraussetzungen dafür ist ein engagiertes und aufgeschlossenes Organisationsteam auf Landes- und Schulebene.

Eine andere Möglichkeit für den schnellen Input „nebenbei“ sehe ich in Mikro-Fortbildungen von engagierten KollegInnen an den eigenen Schulen. Hier wird mal schnell eine App erklärt, neue Methoden erläutert – in der Mittagspause, Freistunde oder kurz nach dem Unterricht. Diese effektiven Kurztreffen sind super – Kollegen kennen sich, Probleme und schulinterne Abläufe sind bekannt. Nie ist man dichter am eigentlichen gewünschten und benötigten Fortbildungsbedarf der Kollegen.

Ob beim educamp oder in der Mikro-FoBi, meist sind es einzelne enthusiastische Kollegen, die das organisieren und durchführen. Hier ist stärkere Unterstützung und Anerkennung auf Landesebene gefordert. Die Fortbildung kann nicht privat von den Kollegen gestemmt werden. Es fehlen Anrechnungsstunden und auch die Freistellung der Kollegen, die die Veranstaltungen besuchen möchten. Meist werden Anträge zur Fortbildung nicht genehmigt – Stundenausfall ist die Begründung. Andererseits ist aber die Fortbildung der Kollegen unabdingbar und kann nicht nur am Wochenende stattfinden. Ansonsten wird sich in Bezug auf Bildung im 21. Jahrhundert nicht viel ändern und wir bleiben da, wo wir sind: Organisation aus dem 19. Jahrhundert, Materialien und Methoden aus dem 20. Jahrhundert. Da wird es schwer mit der Ausbildung einer Jugend, die fit gemacht werden soll für die Zukunft.

Vernetzungsbaum

Warum also nicht die Möglichkeiten nutzen, die uns unsere Zeit bietet und die auch alle im Privatleben selbstverständlich einsetzen? Für die Anforderungen an die Lehrer(fort)bildung gibt es viele digitale Wege und Tools – immer wieder neue, immer wieder weiterentwickelt.

 

 Anforderungen an Lehrer(fort)bildung

  • Fortbildung soll zum Handeln anregen
  • Austausch von Erfahrungen/Ergebnissen auch über das persönliche Treffen hinaus
  • Fortbildung als Reihe geplant, keine frontalen Einzelveranstaltungen
  • digitale Vernetzung der Teilnehmer, um Weiterarbeit zu ermöglichen
  • Behinderung der Fortbildung durch förderale Strukturen überwinden
  • Fortbildungen auf nationaler und internationaler Ebene unterstützen (Notwendigkeit durch Globalisierung gegeben)

digitale Wege und Tools zur Fortbildung und Vernetzung, die ich nutze

Digital geprägtes Arbeiten – aus egoistischen Gründen heraus

Gestern las ich Monika Heusingers Blogpost „Leben in einer digital geprägten Welt“, den sie für die Blogparade in Vorbereitung des SaarCamps geschrieben hat. Sie wirft darin die Frage auf: Was bedeutet digitale Transformation für unser Leben? Heute gab es auf Twitter eine Diskussion über genau diesen Prozess der Transformation in der Bildung. Viele Schulen befassen sich mit der Integration digitaler Medien, manche sind Vorreiter und andere wiederum versuchen es noch zu ignorieren. Frage, die viele beschäftigt, ist, wie beteiligt man die KollegInnen, wie überzeugt man sie, dass der Einsatz digitaler Medien ein Fortschritt im Prozess Bildung sein kann.

Twitter 1

Marc Seegers‚ Tweet zeigt die Verteilung in den Kollegien – von Protagonisten bis Antagonisten – in jedem Kollegium sind Vertreter des gesamten Spektrums zu finden. Wie nimmt man nun alle KollegInnen mit auf dem Weg der digitale Transfomation der Schule? Kann man das überhaupt? Hier ist Gespür gefragt:

Twitter 2

Sicher gibt es viele Ansatzpunkte, aber den einzelnen Kollegen gewinnt man nicht per Anordnung, überzeugt man nicht mit einem Beschluss. Am besten funktioniert immer noch das Beispiel – zeigen, was man macht, wie man es macht und was es für Vorteile bringt.

Und ganz ehrlich, warum ich angefangen habe, meine Arbeitsweise umzustellen und digital Medien zu nutzen, hatte einen ganz simplen, egoistischen Grund – weniger Arbeitsaufwand. Ich denke, dass das auch ein Argument ist, was den meisten KollegInnen selbst der Gruppen „konservativ“ und „skeptisch“ (s.o.) einleuchtet.

Im Laufe eines analogen Lehrerlebens häufen sich Tonnen von Papier an: Tests, Klausuren, Erwartungshorizonte, Materialien, Quellen, Elternbriefe, Informationzettel, Fachschaftsprotokolle, Fachkonferenzmitschriften, … Wer da den Überblick behalten will und auf Nachfrage sofort das richtige Blatt Papier findet, muss pedantisch organisiert sein.

Ich war’s nicht! Irgendwo hatte ich da mal was – und das Suchen ging los. Selbst wenn man wusste, in welchem Ordner das Pamphlet steckte, es musste gesucht werden – zu Hause. Gebraucht hätte man es aber sofort – zur Dienstberatung, Fachschaftssitzung oder in der Unterrichtsstunde oder Elternversammlung. Dieses Dilemma gehört endlich im digitalen Zeitalter der Vergangenheit an. Ein Notizprogramm wie z.B. Evernote mit einer ordentlichen Ordnungs- und Suchfunktion liefert heute auf Stichwort in Sekundenschnelle das entsprechende „Papier“. Erst belächeln die Kollegen die Affinität zu Smartphone oder Tablet und natürlich sind Sprüche wie “ Das habe ich aber schneller aufgeschrieben, als du das eingetippt hast“ vorauszusehen. Aber es dauert nicht lange, bis die ersten, die nach einer Info suchen, kommen und mal eine schnelle Auskunft möchten. Genauso klappt das auch mit der Integration digitaler Medien im Unterricht. Schüler sind motiviert, erstellen selbstständig Arbeitsblätter, arbeiten zusätzlich. Kollegen staunen, fragen nach und dann ist ganz schnell mal erklärt, wie Kahoot funktioniert oder LearningSnacks erstellt werde.

Erst wird der Aufwand beklagt, aber im Nachhinein sieht man die Vorteile der digitlen Medien als Lehrer für den eigenen Arbeitsprozess und für den Unterricht: schnell gefunden, immer wiederverwendbar, leicht abzuändern und anzupassen. Informationen sind immer zugriffsbereit. Das bedeutet also nach einer gewissen Phase der Einarbeitung eine wirkliche Zeitersparnis und Arbeitserleichterung. Nicht zu reden von dem didaktischen Mehrwert, der aber als Argument allein oft nicht überzeugend genug ist – leider. Glücklicherweise merken die KollegInnen dann selbst, wie der Einsatz digitaler Medien nicht nur ihren eigenen Arbeitsprozess verändert, sondern dass sie damit den Unterricht anders – effektiver, motivierender, personalisierter – gestalten.

Einen gewissen Druck kann natürlich auch von oben aufgebaut werden, in dem man konsequent von der Leitungsebene her digital kommuniziert. So werden sich KollegInnen gezwungernermaßen mit den Tools auseinandersetzen und ein digitaler Workflow entsteht, an den sich bestimmt jeder schnell gewöhnt. Die Hemmschwelle im Umgang mit digitalen Medien sinkt und das kollaborative Arbeiten kann sich im Kollegium etablieren. Ein Übertragen auf Unterrichtsprozesse ist so einfacher.

Den digitale Medien wird sich Schule nicht entziehen können. Der Transformationsprozess ist, wie so oft im Bereich Bildung, ein langsamer, aber stetiger!