Digital geprägtes Arbeiten – aus egoistischen Gründen heraus

Gestern las ich Monika Heusingers Blogpost „Leben in einer digital geprägten Welt“, den sie für die Blogparade in Vorbereitung des SaarCamps geschrieben hat. Sie wirft darin die Frage auf: Was bedeutet digitale Transformation für unser Leben? Heute gab es auf Twitter eine Diskussion über genau diesen Prozess der Transformation in der Bildung. Viele Schulen befassen sich mit der Integration digitaler Medien, manche sind Vorreiter und andere wiederum versuchen es noch zu ignorieren. Frage, die viele beschäftigt, ist, wie beteiligt man die KollegInnen, wie überzeugt man sie, dass der Einsatz digitaler Medien ein Fortschritt im Prozess Bildung sein kann.

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Marc Seegers‚ Tweet zeigt die Verteilung in den Kollegien – von Protagonisten bis Antagonisten – in jedem Kollegium sind Vertreter des gesamten Spektrums zu finden. Wie nimmt man nun alle KollegInnen mit auf dem Weg der digitale Transfomation der Schule? Kann man das überhaupt? Hier ist Gespür gefragt:

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Sicher gibt es viele Ansatzpunkte, aber den einzelnen Kollegen gewinnt man nicht per Anordnung, überzeugt man nicht mit einem Beschluss. Am besten funktioniert immer noch das Beispiel – zeigen, was man macht, wie man es macht und was es für Vorteile bringt.

Und ganz ehrlich, warum ich angefangen habe, meine Arbeitsweise umzustellen und digital Medien zu nutzen, hatte einen ganz simplen, egoistischen Grund – weniger Arbeitsaufwand. Ich denke, dass das auch ein Argument ist, was den meisten KollegInnen selbst der Gruppen „konservativ“ und „skeptisch“ (s.o.) einleuchtet.

Im Laufe eines analogen Lehrerlebens häufen sich Tonnen von Papier an: Tests, Klausuren, Erwartungshorizonte, Materialien, Quellen, Elternbriefe, Informationzettel, Fachschaftsprotokolle, Fachkonferenzmitschriften, … Wer da den Überblick behalten will und auf Nachfrage sofort das richtige Blatt Papier findet, muss pedantisch organisiert sein.

Ich war’s nicht! Irgendwo hatte ich da mal was – und das Suchen ging los. Selbst wenn man wusste, in welchem Ordner das Pamphlet steckte, es musste gesucht werden – zu Hause. Gebraucht hätte man es aber sofort – zur Dienstberatung, Fachschaftssitzung oder in der Unterrichtsstunde oder Elternversammlung. Dieses Dilemma gehört endlich im digitalen Zeitalter der Vergangenheit an. Ein Notizprogramm wie z.B. Evernote mit einer ordentlichen Ordnungs- und Suchfunktion liefert heute auf Stichwort in Sekundenschnelle das entsprechende „Papier“. Erst belächeln die Kollegen die Affinität zu Smartphone oder Tablet und natürlich sind Sprüche wie “ Das habe ich aber schneller aufgeschrieben, als du das eingetippt hast“ vorauszusehen. Aber es dauert nicht lange, bis die ersten, die nach einer Info suchen, kommen und mal eine schnelle Auskunft möchten. Genauso klappt das auch mit der Integration digitaler Medien im Unterricht. Schüler sind motiviert, erstellen selbstständig Arbeitsblätter, arbeiten zusätzlich. Kollegen staunen, fragen nach und dann ist ganz schnell mal erklärt, wie Kahoot funktioniert oder LearningSnacks erstellt werde.

Erst wird der Aufwand beklagt, aber im Nachhinein sieht man die Vorteile der digitlen Medien als Lehrer für den eigenen Arbeitsprozess und für den Unterricht: schnell gefunden, immer wiederverwendbar, leicht abzuändern und anzupassen. Informationen sind immer zugriffsbereit. Das bedeutet also nach einer gewissen Phase der Einarbeitung eine wirkliche Zeitersparnis und Arbeitserleichterung. Nicht zu reden von dem didaktischen Mehrwert, der aber als Argument allein oft nicht überzeugend genug ist – leider. Glücklicherweise merken die KollegInnen dann selbst, wie der Einsatz digitaler Medien nicht nur ihren eigenen Arbeitsprozess verändert, sondern dass sie damit den Unterricht anders – effektiver, motivierender, personalisierter – gestalten.

Einen gewissen Druck kann natürlich auch von oben aufgebaut werden, in dem man konsequent von der Leitungsebene her digital kommuniziert. So werden sich KollegInnen gezwungernermaßen mit den Tools auseinandersetzen und ein digitaler Workflow entsteht, an den sich bestimmt jeder schnell gewöhnt. Die Hemmschwelle im Umgang mit digitalen Medien sinkt und das kollaborative Arbeiten kann sich im Kollegium etablieren. Ein Übertragen auf Unterrichtsprozesse ist so einfacher.

Den digitale Medien wird sich Schule nicht entziehen können. Der Transformationsprozess ist, wie so oft im Bereich Bildung, ein langsamer, aber stetiger!